50. Bayerisches Österreichisches Seelsorger und Seelsorgerinnen Treffen im Stift Reichersberg am 25.04.2018

Es ist schon zu einer guten Tradition geworden, dass sich die Seelsorger und Seelsorgerinnen von drent und herent, wie man so schön sagt, einmal im Jahr im Stift Reichersberg zu einem Vortrag, mit anschießender Vesper und gemütlichem Beisammensein treffen. Heuer zum 50. Mal, nach dem Buch Levitikus also ein Jubeljahr, und ein Treffen erfüllt mit Freude und Jubel, war es auch wirklich.

Propst Markus hieß als Gastgeber alle im Namen der Chorherren und der gesamten Hausgemeinschaft sehr herzlich willkommen und wies auf die Veränderungs- und Entwicklungsprozesse hin, die in vielen Diözesen derzeit im Gange sind.

Der Kärntner Diözesanbischof Dr. Alois Schwarz referierte zum Thema „Pfarren sind Hoffnungsorte für erfahrungsnahe Seelsorge“

Bischof Alois sprach die vielen Umbrüche und Veränderungen unserer Zeit an, auch dass vieles den Charakter einer festen Struktur verliert. Pfarren sind Orte mit einer festen Struktur, wo die Menschen beheimatet sind, wo sie ankommen am Abend nach der Arbeit und ihre Kirchglocken hören, da wissen sie, dass sie daheim sind, so Bischof Alois. 

Die Pfarre ist keine hinfällige Struktur, schreibt Papst Franziskus in Evangelii gaudium, wenn sie fähig ist, sich ständig zu erneuern und anzupassen, wird sie weiterhin die Kirche sein, die inmitten der Häuser ihrer Söhne und Töchter lebt. Pfarre ist ein Ort mit Zukunft. Aber es braucht dazu die missionarische Kreativität des Pfarrers. Der Aufruf zur Erneuerung hat aber noch nicht genug gefruchtet, so Papst Franziskus.

Bischof Alois verweist auf den Weg des Bistums Passau, der folgende Punkte festhält:

  • Kirche lebt vor Ort, daher sollen alle Pfarren und Pfarrverbände nach Möglichkeit bestehen bleiben
  • Vielfältige Verwaltungsaufgaben belasten Haupt- und Ehrenamtliche, deshalb sollen regionale Verwaltungszentren eingerichtet werden
  • Formen intensiverer Kooperation in der Pastoral
  • Zentrale Orte gemeinschaftlichen und geistlichen Lebens
  • Der ganze Prozess soll organisch wachsen und gedeihen können

Bischof Alois geht es vor allem um das Wachstum christlichen Lebens in den Pfarren und er betont, dass Wachstum etwas Leises ist. Da muss man oft genauer hinschauen, damit man sieht, dass da etwas wächst. Wir haben heute neue Chancen, mehr als vor 20 Jahren. Mein Wunsch wäre, wenn ihr heute heimgeht, dass ihr einen neuen Blick für den Charme Gottes in euren Pfarren habt. Sonst ist das kein Hoffnungsort, sonst hat der Vortrag heute nix bewirkt, so der Kärntner Bischof.

Wichtig ist, dass wir in unseren Pfarren für die Menschen erreichbar sind, betont Bischof Alois und hängt an, dass das in unserer Zeit der Digitalisierung eher schwieriger als leichter geworden ist. Das Dasein von Seelsorger und Seelsorgerinnen ist den Menschen wichtig, es ist ein Gefühl von Beheimatung, in einer Zeit wo alles zerfledert und zerbricht, auch wenn sie nix brauchen.

Jesus war dort, wo die Menschen waren. Er hat gesehen, ist stehengeblieben, hingegangen und hat die Menschen berührt. Das ist auch in unseren Pfarren wichtig.

Eine gute Regel für unsere Pfarren, die Hoffnungsorte sind, ist die 3 Augen Regel, erklärt Bischof Alois:

  1. alles sehen
  2. das meiste übersehen ohne sich zu ärgern
  3. das Entschiedenste sehen und tun

Im Anschluss an das Referat, das alle mit neuer Hoffnung und Freude erfüllte, feierten wir die Vesper in der Stiftkirche und dann bei einer guten Jause auch den Namenstag von Propst Markus.

 

Bericht von Mag.a Patrizia Wohlmacher, Dekanatsassistentin im Dekanat Altheim